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1961 errichteter Gedenkstein
1961 errichteter Gedenkstein
für die Juden aus Buttenhausen

1938    Während der "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November wird die Synagoge zerstört, vermutlich acht Juden aus Buttenhausen in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Viele der jüdischen Einwohner emigrieren. 1938    Während der "Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November wird die Synagoge zerstört, vermutlich acht Juden aus Buttenhausen in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Viele der jüdischen Einwohner emigrieren.
1939    Ausbruch des II. Weltkriegs. In der Folge entsteht in Buttenhausen eines der in Württemberg eingerichteten "jüdischen Altersheime", in die Juden aus dem ganzen Reichsgebiet eingewiesen werden. 1939    Ausbruch des II. Weltkriegs. In der Folge entsteht in Buttenhausen eines der in Württemberg eingerichteten "jüdischen Altersheime", in die Juden aus dem ganzen Reichsgebiet eingewiesen werden.
1941-1944    Deportationen in die Vernichtungslager des Ostens. 1941-1944    Deportationen in die Vernichtungslager des Ostens.
1945    Am 25. und 26. April wird Buttenhausen durch amerikanische, schließlich durch französische Truppen besetzt. 1945    Am 25. und 26. April wird Buttenhausen durch amerikanische, schließlich durch französische Truppen besetzt.
 

Das Ende der jüdischen Gemeinde

Antisemitismus und Rassenhass bewirkten nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland auch in Buttenhausen das Ende des christlich-jüdischen Zusammenlebens. Zu den erklärten Zielen der Nazis gehörte die Vertreibung, später die Vernichtung der Juden. Dieser radikale Antisemitismus ist eine moderne Erscheinung. Antisemitische Parteien wurden verschiedentlich im 19. Jahrhundert gegründet. Sie erlangten jedoch nie einen entscheidenden Einfluss. Nun aber war eine Partei an die Macht gekommen, die erstmals die Möglichkeit hatte, ein antijüdisches Programm in die Realität umzusetzen.

Zunehmende Repression

In Buttenhausen waren die Folgen bald zu spüren. Die Distanz zwischen Juden und Christen im Dorf wuchs. Es war gefährlich geworden, Kontakt zu Juden zu halten. Trotzdem gelangte noch im April 1933 mit Salomon Löwenthal ein angesehener und vermögender jüdischer Bürger in den Gemeinderat. Bis 1935 gehörte er dem Gremium an - ein Zeichen für den gegenseitigen Respekt und die lange Tradition des Zusammenlebens, die beide Religionen verbanden. Auch befand sich in Buttenhausen eine der ganz wenigen nach 1933 verbliebenen jüdischen Schulen, die allerdings nur privat und mit Hilfe des Israelitischen Oberrats Württembergs unterhalten werden konnte.

Von der antijüdischen Gesetzgebung waren in Buttenhausen auch die Viehhändler betroffen. Bauern, die mit Juden Handel trieben, wurden öffentlich bloßgestellt, Schauprozesse sollten die Durchtriebenheit der Juden beweisen. In Münsingen wurde Juden 1937 der Besuch der Märkte verwehrt. Die sogenannte Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zeigte eine neue, bislang nicht vorstellbare Stufe der Gewalt. Der Mord an dem deutschen Gesandtschaftsrat von Rath in Paris gab den Vorwand für antisemitische Angriffe, die von der Parteiführung gelenkt waren. In Buttenhausen versuchten SA-Leute am frühen Morgen, die Synagoge anzuzünden. Dieser Versuch scheiterte am Eingreifen der Feuerwehr und des Bürgermeisters Johannes Hirrle. Wie wenig spontan der "Volkszorn gegen die Juden" in Wirklichkeit war, zeigte sich bald, als der Bürgermeister von Sicherheitsbeamten im Rathaus festgehalten wurde, während andere die Synagoge ein zweites Mal anzündeten. Wie in vielen Orten gab es anschließend auch in Buttenhausen Verhaftungen. Vermutlich acht Personen kamen für einige Wochen in das Konzentrationslager Dachau.

Nach Ausbruch des II. Weltkriegs begannen die Deportationen in die Vernichtungslager. Unweit von Buttenhausen, im Schloss Grafeneck, wurde bereits im Jahr 1940 die Methode angewandt, die schließlich unzähligen Juden in Auschwitz, Majdanek und anderen Vernichtungslagern den Tod bringen sollte. Im Rahmen der Aktion T 4" wurden hier über zehntausend behinderter Menschen aus ganz Süddeutschland vergast. Der erste Transport aus Württemberg in die Vernichtungslager des Ostens ging am 1. Dezember 1941 von Stuttgart ab. Darunter waren auch zwanzig Juden aus Buttenhausen. Währenddessen wurde Buttenhausen zur Durchgangsstation für Juden aus dem ganzen Reich. Viele kamen im Sommer 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt. Zu diesem Zeitpunkt ahnten viele der Betroffenen, was sie erwartete. Einige entzogen sich dem Abtransport durch Selbstmord, drei allein am Tag vor der Deportation nach Theresienstadt. Mit 60 Personen handelte es sich um den größten Transport aus Buttenhausen.

Insgesamt sind heute über 130 Personen bekannt, die von Buttenhausen aus in die Vernichtungslager des Ostens kamen, 43 davon stammten aus dem Ort selbst. Ihre Namen finden sich auf dem 1961 in der Ortsmitte errichteten Denkmal. Auswanderung und Deportation bedeuteten hier wie auch in anderen Orten das Ende der jüdischen Gemeinde. Anders als in den Großstädten gab es nach dem II. Weltkrieg in der Landgemeinde Buttenhausen keinen Neuanfang des jüdischen Lebens mehr.