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Das Ende
der jüdischen Gemeinde
Antisemitismus und Rassenhass bewirkten nach der Machtergreifung der
Nationalsozialisten in Deutschland auch in Buttenhausen das Ende des
christlich-jüdischen Zusammenlebens. Zu den erklärten Zielen der Nazis
gehörte die Vertreibung, später die Vernichtung der Juden. Dieser
radikale Antisemitismus ist eine moderne Erscheinung. Antisemitische
Parteien wurden verschiedentlich im 19. Jahrhundert gegründet. Sie
erlangten jedoch nie einen entscheidenden Einfluss. Nun aber war eine
Partei an die Macht gekommen, die erstmals die Möglichkeit hatte, ein
antijüdisches Programm in die Realität umzusetzen.
Zunehmende Repression
In Buttenhausen waren die Folgen bald zu spüren. Die Distanz
zwischen Juden und Christen im Dorf wuchs. Es war gefährlich geworden,
Kontakt zu Juden zu halten. Trotzdem gelangte noch im April 1933 mit
Salomon Löwenthal ein angesehener und vermögender jüdischer Bürger
in den Gemeinderat. Bis 1935 gehörte er dem Gremium an - ein Zeichen
für den gegenseitigen Respekt und die lange Tradition des
Zusammenlebens, die beide Religionen verbanden. Auch befand sich in
Buttenhausen eine der ganz wenigen nach 1933 verbliebenen jüdischen
Schulen, die allerdings nur privat und mit Hilfe des Israelitischen
Oberrats Württembergs unterhalten werden konnte.
Von der antijüdischen Gesetzgebung waren in Buttenhausen auch die
Viehhändler betroffen. Bauern, die mit Juden Handel trieben, wurden
öffentlich bloßgestellt, Schauprozesse sollten die Durchtriebenheit
der Juden beweisen. In Münsingen wurde Juden 1937 der Besuch der
Märkte verwehrt. Die sogenannte Reichskristallnacht vom 9. auf den 10.
November 1938 zeigte eine neue, bislang nicht vorstellbare Stufe der
Gewalt. Der Mord an dem deutschen Gesandtschaftsrat von Rath in Paris
gab den Vorwand für antisemitische Angriffe, die von der Parteiführung
gelenkt waren. In Buttenhausen versuchten SA-Leute am frühen Morgen,
die Synagoge anzuzünden. Dieser Versuch scheiterte am Eingreifen der
Feuerwehr und des Bürgermeisters Johannes Hirrle. Wie wenig spontan der
"Volkszorn gegen die Juden" in Wirklichkeit war, zeigte sich
bald, als der Bürgermeister von Sicherheitsbeamten im Rathaus
festgehalten wurde, während andere die Synagoge ein zweites Mal
anzündeten. Wie in vielen Orten gab es anschließend auch in
Buttenhausen Verhaftungen. Vermutlich acht Personen kamen für einige
Wochen in das Konzentrationslager Dachau.
Nach Ausbruch des II. Weltkriegs begannen die Deportationen in die
Vernichtungslager. Unweit von Buttenhausen, im Schloss Grafeneck, wurde
bereits im Jahr 1940 die Methode angewandt, die schließlich unzähligen
Juden in Auschwitz, Majdanek und anderen Vernichtungslagern den Tod
bringen sollte. Im Rahmen der Aktion T 4" wurden hier über
zehntausend behinderter Menschen aus ganz Süddeutschland vergast. Der
erste Transport aus Württemberg in die Vernichtungslager des Ostens
ging am 1. Dezember 1941 von Stuttgart ab. Darunter waren auch zwanzig
Juden aus Buttenhausen. Währenddessen wurde Buttenhausen zur
Durchgangsstation für Juden aus dem ganzen Reich. Viele kamen im Sommer
1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt. Zu diesem Zeitpunkt
ahnten viele der Betroffenen, was sie erwartete. Einige entzogen sich
dem Abtransport durch Selbstmord, drei allein am Tag vor der Deportation
nach Theresienstadt. Mit 60 Personen handelte es sich um den größten
Transport aus Buttenhausen.
Insgesamt sind heute über 130 Personen bekannt, die von Buttenhausen
aus in die Vernichtungslager des Ostens kamen, 43 davon stammten aus dem
Ort selbst. Ihre Namen finden sich auf dem 1961 in der Ortsmitte
errichteten Denkmal. Auswanderung und Deportation bedeuteten hier wie
auch in anderen Orten das Ende der jüdischen Gemeinde. Anders als in
den Großstädten gab es nach dem II. Weltkrieg in der Landgemeinde
Buttenhausen keinen Neuanfang des jüdischen Lebens mehr.
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