Diane Samuels

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Die Arbeiten von Diane Samuels - Eine amerikanische Künstlerin in Buttenhausen und Grafeneck (1996 - 1999)

Einführung

Seit 1991 arbeite ich an einer Reihe zusammenhängender Werke, die den Versuch darstellen, eine zeitgemäße Bedeutung jüdischer Märchen und kabbalistischer Texte auszuloten, welche mit dem Gebet, dem Alphabet, mit Schöpfungskraft und einem Gefühl von Zugehörigkeit in Beziehung stehen. Dabei ist mein Interesse weniger religiöser Art. Ich gehe von der Annahme aus, daß die Welt wie ein Buch erfahren werden kann - ein Buch, das wir zusammen verfassen und dem wir Bedeutung geben. In dieser Welt zu leben heißt somit notwendig beides zu sein: Leser und Schreiber.

Ein jüdisches Märchen erzählt die Geschichte eines Gelehrten, der Gott ungeduldig darum bat, er möge ihm dabei helfen, seinen Studienpartner im Himmel schon zu Lebzeiten zu finden. Also reiste der Gelehrte in ein Dorf und begab sich in das dortige Lehrhaus, um sich auf die Suche nach einem Gelehrten seinesgleichen zu machen. Er fand aber nicht dort seinen Studienpartner, sondern in einer ärmlichen Hütte, in der weder Gebetbücher noch Kommentare vorhanden waren. Der Gelehrte fragte ihn außer sich: "Wie kannst Du denn beten ohne Bücher?". Der Mann antwortet: "Ich habe keine Bücher, weil ich weder lesen noch schreiben kann. Aber ich kann das Alphabet aufsagen. Ich bitte dann Gott, meine Buchstaben anzunehmen und daraus Gebete zu formen."

In einem anderen Märchen geht es um einen Golem, ein künstlicher, aus Erde geschaffener Mensch, der der Kabbala zufolge durch das hebräische Wort EMET ("Wahrheit") auf der Stirn zum Leben erweckt wird. Ein Golem wird für einen bestimmten Zweck geschaffen und muß die Befehle seines Schöpfers befolgen. Wenn sein Auftrag erfüllt ist, wird der Golem von seinem Schöpfer durch die Entfernung des ersten Buchstabens (Aleph bzw. E) wieder dem Element zugeführt, aus dem er geschaffen wurde. Durch das Weglassen des ersten Buchstabens wird aus EMET das Wort MET, was soviel wie "Tod" bedeutet. Golems wurden von Juden geschaffen, um ihren Gemeinden in Zeiten großer Not beizustehen, und sie waren oft erfolgreich, wenn die Menschen versagten. Eine der frühesten überlieferten "Anleitungen" zur Erschaffung eines Golems wurde von Eleazar ben Judah aus Worms zu Beginn des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben.

Jedem Buchstaben kommt nach der Kabbala eine entscheidende Bedeutung zu. Geschichten erzählen von Menschen, die ihr Leben damit zubrachten, die Buchstaben der Tora zu zählen um sich zu vergewissern, daß kein einziger davon fehlt. Jeder Buchstabe ist wertvoll und mächtig.

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