|
|
|
Buttenhausen:
"Imprints and Artifacts", Landkarten, Hände und ein Golem
Als ich im Oktober 1996 zum ersten Mal nach Buttenhausen kam, kam ich in der Annahme, daß
ein Golem in dieser Gemeinde von Nutzen sein könnte. Ich photographierte die Erschaffung
eines Golems aus Blättern und Erde auf dem Hügel außerhalb des jüdischen Friedhofs von
Buttenhausen und wie er sich in den Ort auf den Weg macht. Die folgenden Erfahrungen
veränderten jedoch meine Vorstellung einer angemessenen künstlerischen Antwort, weshalb
ich im Dezember die Rückverwandlung des Golems zu Erde photographierte.
Als ich im Dezember 1996 nach Buttenhausen zurückkehrte, arbeitete ich für einige Tage
im Stadtarchiv Münsingen. Da ich nicht Deutsch spreche, mußte ich meine Forschungen auf
Bildmaterial beschränken: historische Photographien. Ich entdeckte zwei Luftaufnahmen des
Orts. Die erste wurde am 13. September 1938 (vor der "Reichskristallnacht"), die
zweite am 15. Mai 1976 aufgenommen. Jedes Bild war so klein, daß es in meine Hand paßte.
Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden 38 Jahre auseinander liegenden Aufnahmen
besteht darin, daß die frühere eine Synagoge an der Stelle zeigt, wo in der späteren
eine grasbewachsene Fläche mit einem Denkmal zu sehen ist.
Ein Handabdruck hat eine bemerkenswerte Ähnlickeit zu einem Luftbild. Eine Photographie
kann etwas Großes und etwas Kleines gleich groß erscheinen lassen. Auf meiner ersten
Reise nach Buttenhausen stieß ich immer wieder auf Abbildungen von Händen: Herr Ott, der
mit seine Händen an der Erhaltung der jüdischen Grabsteine arbeitet, Hände, die in die
Grabsteine eingearbeitet sind, Hände, die man an der Gedenkstätte von Grafeneck findet;
Fingerabdrücke in Ausweisen, Hand-Schriften und schließlich die Graffitis auf der
Schreibplatte aus der Poststelle Buttenhausen, die sich im Museum der Bernheimer´schen
Realschule befindet.
Ich wollte ein Portrait schaffen ohne ein Gesicht zur Vorlage zu haben. Hände sind eine
Art von Landkarte, die vielleicht Einblick in unsere Vergangenheit und Zukunft geben.
Ich begann meine Arbeit damit, Gipsabgüsse von den Händen von Christen und Juden zu
nehmen, welche Anteil am Aussöhnungswerk in Buttenhausen haben. Von diesen Gipsabdrücken
stellte ich Bronzegüsse, Tuschezeichnungen, Radierungen und Fotographien her.
Die Hände sind die von Walter Ott, Harry und Thea Lindauer, Herbert Weippert, Dietrich
Sachs, Gunther Wruck, Roland Deigendesch, Jürgen vom Grafen, Otmar Gotterbarm und
Christine Schmitt. Alle dieser Personen haben aktiven Anteil an der Erhaltung und der
Vermittlung von Buttenhausens Vergangenheit und Zukunft. |
|
|
 |