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Innenansicht der Synagoge
Innenansicht der Synagoge

1914-1918    I. Weltkrieg. Für die 24 Gefallenen der Gemeinde wird 1922 bei der Bernheimer'schen Realschule ein von Karl Wolter geschaffenes Denkmal errichtet, auf dem Juden und Christen gemeinsam aufgeführt sind. 1914-1918    I. Weltkrieg. Für die 24 Gefallenen der Gemeinde wird 1922 bei der Bernheimer'schen Realschule ein von Karl Wolter geschaffenes Denkmal errichtet, auf dem Juden und Christen gemeinsam aufgeführt sind.
1923    Geldentwertung zwingt zur Aufgabe der Bernheimer'schen Realschule. Erster Zusammenstoß mit einem SA-Trupp in Buttenhausen. 1923    Geldentwertung zwingt zur Aufgabe der Bernheimer'schen Realschule. Erster Zusammenstoß mit einem SA-Trupp in Buttenhausen.
1933    Machtergreifung Adolf Hitlers. In Buttenhausen leben noch 89 Juden. Die jüdische Schule wird als öffentliche Einrichtung geschlossen und kann noch wenige Jahre als Privatschule fortgeführt werden. 1933    Machtergreifung Adolf Hitlers. In Buttenhausen leben noch 89 Juden. Die jüdische Schule wird als öffentliche Einrichtung geschlossen und kann noch wenige Jahre als Privatschule fortgeführt werden.
1937    In der Oberamtsstadt Münsingen wird ein Marktverbot für Juden erlassen. 1937    In der Oberamtsstadt Münsingen wird ein Marktverbot für Juden erlassen.
 

Religion

Über den Häusern von Buttenhausen zu beiden Seiten der Lauter standen jeweils am Hang die beiden Gotteshäuser einander gegenüber. Wenngleich dieselben Psalmen hüben und drüben gebetet wurden, so waren doch Organisation und Liturgie, Gebet und Brauch in Kirche und Synagoge recht verschieden.

Synagoge und jüdisches Haus

Die Synagoge entspricht nur in Teilen den christlichen Vorstellungen eines Gotteshauses. Synagoge bedeutet "Ort der Versammlung". Dort, wo mindestens zehn erwachsene Männer beisammen sind, ist der Ort für Gebet und Schriftlesung. Die Tora, das Fünfbuch Moses, wird vom Vorsänger am Pult, das sich in der Mitte der Synagoge befindet, in ihren wöchentlichen Abschnitten gelesen. Vor allem ist die Synagoge ein Haus des Gebets. Jeder fromme Jude ist im Besitz eines Gebetbuchs (Siddur), aus dem während des Gottesdiensts Psalmen, hymnische Texte und teils sehr alte Gebete gelesen werden.

Wichtiger als die von Männern bestimmte Öffentlichkeit der Synagoge ist für das jüdische Leben der von Frauen gestaltete Binnenraum des Hauses. Die täglichen Gebete und Mahlzeiten, Schabbate, Jahresfeste und persönliche Feiern durchdringen die Häuslichkeit ständig mit Gebotserfüllung, an der jeder einzelne teilhat. Aus dieser Atmosphäre von Ruhe und Freudigkeit schöpfen die Juden die Kraft für gute und für schwere Zeiten.

"Koche nicht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter". Dieser Satz, in der Bibel dreimal an auffallender Stelle geboten, wurde später zum Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Speisegesetzen (Kaschrut). Sie betreffen vor allem die Zubereitung und den Genuss von Fleisch. Zur Speise erlaubte Tiere werden schon in der Bibel aufgelistet. Die Schlachtung (Schächten) muss so ausgeführt werden, dass ein Tier sofort betäubt ist und alles Blut schnell abfließt. Vor der Zubereitung wässert und salzt die Hausfrau die Fleischstücke nach festen Regeln. Wichtig ist, dass Fleisch- und Milchprodukte niemals zusammenkommen. Deshalb muss eine jüdische Küche zwei getrennte Abteilungen, mit jeweils allem Zubehör haben.

Lebensläufe

Söhne werden am achten Tag in einer feierlichen Handlung beschnitten. Die Zeremonie klingt in dem Wunsch aus, das Kind möge heranwachsen "zur Lehre, zur Ehe und zu guten Werken". Mit 13 Jahren hat der Sohn den Erfolg seiner ersten Lehrjahre zu beweisen: als Bar Mizwa, Sohn des Gebots, wird er religionsmündig und erfüllt von da ab die Weisungen eigenverantwortlich. Auch die Hochzeit ist eine häusliche Feier. Die Chuppa, der Hochzeitsbaldachin kann als Symbol des Hauses gelten, dort findet der Trauungsakt statt. Vor Zeugen steckt der Bräutigam seiner Braut einen Ring an den Finger zum Zeichen der "Anheiligung", die mit dem siebenfachen Segen bekräftigt wird. Der Frau obliegt nun die Führung des Haushalts, wozu auch die Einhaltung der Speisegesetze zählt. Meist gelten jüdische Bräuche freudigen Anlässen, doch auch der Tod hat seine häuslichen Riten. Die engsten Verwandten nehmen Anteil an dem Todesfall. Sie sitzen sieben Tage im Haus des Toten. Es ist üblich, sie zu besuchen und eine zeitlang mitzutrauern. Im Kreis von zehn Männern sagen Trauernde das Kaddisch, kein Gebet mit Bezug auf den Tod, vielmehr eine Hymne zum Lobpreis Gottes.

(Der Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrags "Religion" in: Juden in Buttenhausen (1994) von Dr. Annemarie Mayer, Tübingen)