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Religion
Über den Häusern von Buttenhausen zu beiden Seiten der Lauter
standen jeweils am Hang die beiden Gotteshäuser einander gegenüber.
Wenngleich dieselben Psalmen hüben und drüben gebetet wurden, so waren
doch Organisation und Liturgie, Gebet und Brauch in Kirche und Synagoge
recht verschieden.
Synagoge und jüdisches Haus
Die Synagoge entspricht nur in Teilen den christlichen
Vorstellungen eines Gotteshauses. Synagoge bedeutet "Ort der
Versammlung". Dort, wo mindestens zehn erwachsene Männer beisammen
sind, ist der Ort für Gebet und Schriftlesung. Die Tora, das Fünfbuch
Moses, wird vom Vorsänger am Pult, das sich in der Mitte der Synagoge
befindet, in ihren wöchentlichen Abschnitten gelesen. Vor allem ist die
Synagoge ein Haus des Gebets. Jeder fromme Jude ist im Besitz eines
Gebetbuchs (Siddur), aus dem während des Gottesdiensts Psalmen,
hymnische Texte und teils sehr alte Gebete gelesen werden.
Wichtiger als die von Männern bestimmte Öffentlichkeit der Synagoge
ist für das jüdische Leben der von Frauen gestaltete Binnenraum des Hauses.
Die täglichen Gebete und Mahlzeiten, Schabbate, Jahresfeste und
persönliche Feiern durchdringen die Häuslichkeit ständig mit
Gebotserfüllung, an der jeder einzelne teilhat. Aus dieser Atmosphäre
von Ruhe und Freudigkeit schöpfen die Juden die Kraft für gute und
für schwere Zeiten.
"Koche nicht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter".
Dieser Satz, in der Bibel dreimal an auffallender Stelle geboten, wurde
später zum Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Speisegesetzen (Kaschrut).
Sie betreffen vor allem die Zubereitung und den Genuss von Fleisch. Zur
Speise erlaubte Tiere werden schon in der Bibel aufgelistet. Die
Schlachtung (Schächten) muss so ausgeführt werden, dass ein Tier
sofort betäubt ist und alles Blut schnell abfließt. Vor der
Zubereitung wässert und salzt die Hausfrau die Fleischstücke nach
festen Regeln. Wichtig ist, dass Fleisch- und Milchprodukte niemals
zusammenkommen. Deshalb muss eine jüdische Küche zwei getrennte
Abteilungen, mit jeweils allem Zubehör haben.
Lebensläufe
Söhne werden am achten Tag in einer feierlichen Handlung
beschnitten. Die Zeremonie klingt in dem Wunsch aus, das Kind möge
heranwachsen "zur Lehre, zur Ehe und zu guten Werken". Mit 13
Jahren hat der Sohn den Erfolg seiner ersten Lehrjahre zu beweisen: als
Bar Mizwa, Sohn des Gebots, wird er religionsmündig und erfüllt von da
ab die Weisungen eigenverantwortlich. Auch die Hochzeit ist eine
häusliche Feier. Die Chuppa, der Hochzeitsbaldachin kann als Symbol des
Hauses gelten, dort findet der Trauungsakt statt. Vor Zeugen steckt der
Bräutigam seiner Braut einen Ring an den Finger zum Zeichen der
"Anheiligung", die mit dem siebenfachen Segen bekräftigt
wird. Der Frau obliegt nun die Führung des Haushalts, wozu auch die
Einhaltung der Speisegesetze zählt. Meist gelten jüdische Bräuche
freudigen Anlässen, doch auch der Tod hat seine häuslichen Riten. Die
engsten Verwandten nehmen Anteil an dem Todesfall. Sie sitzen sieben
Tage im Haus des Toten. Es ist üblich, sie zu besuchen und eine
zeitlang mitzutrauern. Im Kreis von zehn Männern sagen Trauernde das
Kaddisch, kein Gebet mit Bezug auf den Tod, vielmehr eine Hymne zum
Lobpreis Gottes.
(Der Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrags
"Religion" in: Juden in Buttenhausen (1994) von Dr. Annemarie
Mayer, Tübingen)
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