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Schulklasse der Bernheimerschen Realschule 1916/17
Schulklasse der Bernheimerschen Realschule 1916/17

1864    Per Gesetz erfolgt die völlige Gleichberechtigung der Juden in Württemberg. Mit der Aufhebung aller Niederlassungsbeschränkungen setzt die Abwanderung der Juden in die Städte ein. 1864    Per Gesetz erfolgt die völlige Gleichberechtigung der Juden in Württemberg. Mit der Aufhebung aller Niederlassungsbeschränkungen setzt die Abwanderung der Juden in die Städte ein.
1871    Gründung des Deutschen Reichs. In Buttenhausen wird die Synagoge für die gewachsene Zahl der Gemeindemitglieder erweitert. Es gibt 348 jüdische Einwohner. 1871    Gründung des Deutschen Reichs. In Buttenhausen wird die Synagoge für die gewachsene Zahl der Gemeindemitglieder erweitert. Es gibt 348 jüdische Einwohner.
1875    Geburt Matthias Erzbergers in Buttenhausen, späterer Zentrumspolitiker und Finanzminister der Weimarer Republik. 1875    Geburt Matthias Erzbergers in Buttenhausen, späterer Zentrumspolitiker und Finanzminister der Weimarer Republik.
1901    Lehmann Bernheimer stiftet eine einklassige Realschule, die 1903 neben dem Elternhaus entsteht. Mit der Einweihung 1904 erhält Bernheimer das Ehrenbürgerrecht in seiner Heimatgemeinde, die jetzt noch 272 jüdische Einwohner hat. 1901    Lehmann Bernheimer stiftet eine einklassige Realschule, die 1903 neben dem Elternhaus entsteht. Mit der Einweihung 1904 erhält Bernheimer das Ehrenbürgerrecht in seiner Heimatgemeinde, die jetzt noch 272 jüdische Einwohner hat.
 

Schule

Die jüdische Gelehrsamkeit hat eine reiche, Jahrtausende alte Tradition. Form und Inhalt der Schulbildung in den Gemeinden und Familien ließ sich indessen nicht mit dem vergleichen, was in Württemberg in christlichen Schulen üblich war. Gerade die Erziehung in der Schule war aber in den Augen der Reformer des 19. Jahrhunderts ein besonders wichtiger Hebel, um die Integration der Juden in das Staatswesen zu fördern.

Der Buttenhausener "Cheder"

Eine jüdische Privatschule bestand in Buttenhausen vermutlich bereits seit dem Beginn der jüdischen Siedlung. Der Lehrer, der meistens auch Vorsänger (Kantor) war, wurde von der Gemeinde bestellt. Wegen seines kümmerlichen Gehalts war er gezwungen, nebenher Handel zu treiben. Mit der Gesetzgebung vom Jahr 1828 galt die Schulpflicht auch für Kinder jüdischen Glaubens von 6 bis 14 Jahren. Außer in den Fächern Religion und Hebräisch war der Unterricht dem der christlichen Schule angeglichen. Der regelmäßige Schulbesuch wurde streng überwacht, was oft zu Problemen führte. Denn es war üblich, dass die Kinder der jüdischen Händler sehr früh mit auf Reisen gingen, um die Geschäfte der Erwachsenen zu erlernen.

Gemeinsames Schulhaus

Seit 1834 war die jüdische Schule im späteren Rabbinat an der Mühlsteige untergebracht. 1862 wurde für alle Schüler des Dorfs ein gemeinsames Schulhaus gebaut. Das Gebäude erhielt je einen Schulraum für Christen und Juden mit getrennten Zugängen. Die Wohnungen für den christlichen und den jüdischen Lehrer befanden sich im oberen Stock. Die Schule war der Ort, wo sich jüdische und christliche Kinder alltäglich begegneten. Zum Teil unterrichteten die Lehrer Schüler beider Religionen. Die Gemeinsamkeit dauerte bis 1933. Die jüdische Schule wurde in eine Privatschule umgewandelt und zog nach 71 Jahren wieder in das frühere Schulgebäude an der Mühlsteige. Der letzte jüdische Lehrer und Vorsänger Buttenhausens, Naphtali Berlinger, war aufgrund seiner Gelehrsamkeit und seines Charakters weit über Buttenhausen hinaus bekannt und respektiert. Dies schützte ihn nicht vor der Deportation nach Theresienstadt, wo er 1943, durch Krankheit und Hunger geschwächt, starb.

Bernheimersche Realschule

Den Kindern aus ländlichen Regionen war bis auf Ausnahmen eine höhere Schulbildung kaum zugänglich. Die Realschulstiftung Lehmann Bernheimers (1841-1918), die stark von seinen eigenen Erfahrungen beeinflusst war, sollte dies auch den Kindern aus Buttenhausen ermöglichen - ohne Ansehen von Religion oder Vermögen. Juden und Christen besuchten seit 1904 gemeinsam den Unterricht. Aber schon zwanzig Jahre nach dem Bau der Schule wurde das Stiftungskapital durch die Inflation aufgezehrt. Trotz der Rettungsversuche von Gemeinde und Verwandten Lehmann Bernheimers musste die Einrichtung geschlossen werden.

Heute ist das Gebäude, das lange Jahre als Kindergarten diente, ein Mittelpunkt des Gemeindelebens. Hier trifft sich der Ortschaftsrat Buttenhausens, und der ehemalige Schulsaal ist inzwischen ein beliebter Veranstaltungsraum. Im ersten Stock befindet sich die ständige Ausstellung "Juden in Buttenhausen"