|
Schule Die jüdische Gelehrsamkeit hat eine reiche,
Jahrtausende alte
Tradition. Form und Inhalt der Schulbildung in den Gemeinden und
Familien ließ sich indessen nicht mit dem vergleichen, was in
Württemberg in christlichen Schulen üblich war. Gerade die Erziehung
in der Schule war aber in den Augen der Reformer des 19. Jahrhunderts
ein besonders wichtiger Hebel, um die Integration der Juden in das
Staatswesen zu fördern.
Der Buttenhausener "Cheder"
Eine jüdische Privatschule bestand in Buttenhausen vermutlich
bereits seit dem Beginn der jüdischen Siedlung. Der Lehrer, der
meistens auch Vorsänger (Kantor) war, wurde von der Gemeinde bestellt.
Wegen seines kümmerlichen Gehalts war er gezwungen, nebenher Handel zu
treiben. Mit der Gesetzgebung vom Jahr 1828 galt die Schulpflicht auch
für Kinder jüdischen Glaubens von 6 bis 14 Jahren. Außer in den
Fächern Religion und Hebräisch war der Unterricht dem der christlichen
Schule angeglichen. Der regelmäßige Schulbesuch wurde streng
überwacht, was oft zu Problemen führte. Denn es war üblich, dass die
Kinder der jüdischen Händler sehr früh mit auf Reisen gingen, um die
Geschäfte der Erwachsenen zu erlernen.
Gemeinsames Schulhaus
Seit 1834 war die jüdische Schule im späteren Rabbinat an der
Mühlsteige untergebracht. 1862 wurde für alle Schüler des Dorfs ein
gemeinsames Schulhaus gebaut. Das Gebäude erhielt je einen Schulraum
für Christen und Juden mit getrennten Zugängen. Die Wohnungen für den
christlichen und den jüdischen Lehrer befanden sich im oberen Stock.
Die Schule war der Ort, wo sich jüdische und christliche Kinder
alltäglich begegneten. Zum Teil unterrichteten die Lehrer Schüler
beider Religionen. Die Gemeinsamkeit dauerte bis 1933. Die jüdische
Schule wurde in eine Privatschule umgewandelt und zog nach 71 Jahren
wieder in das frühere Schulgebäude an der Mühlsteige. Der letzte
jüdische Lehrer und Vorsänger Buttenhausens, Naphtali Berlinger, war
aufgrund seiner Gelehrsamkeit und seines Charakters weit über
Buttenhausen hinaus bekannt und respektiert. Dies schützte ihn nicht
vor der Deportation nach Theresienstadt, wo er 1943, durch Krankheit und
Hunger geschwächt, starb.
Bernheimersche Realschule
Den Kindern aus ländlichen Regionen war bis auf Ausnahmen eine
höhere Schulbildung kaum zugänglich. Die Realschulstiftung Lehmann
Bernheimers (1841-1918), die stark von seinen eigenen Erfahrungen
beeinflusst war, sollte dies auch den Kindern aus Buttenhausen
ermöglichen - ohne Ansehen von Religion oder Vermögen. Juden und
Christen besuchten seit 1904 gemeinsam den Unterricht. Aber schon
zwanzig Jahre nach dem Bau der Schule wurde das Stiftungskapital durch
die Inflation aufgezehrt. Trotz der Rettungsversuche von Gemeinde und
Verwandten Lehmann Bernheimers musste die Einrichtung geschlossen
werden.
Heute ist das Gebäude, das lange Jahre als Kindergarten diente, ein
Mittelpunkt des Gemeindelebens. Hier trifft sich der Ortschaftsrat
Buttenhausens, und der ehemalige Schulsaal ist inzwischen ein beliebter
Veranstaltungsraum. Im ersten Stock befindet sich die ständige
Ausstellung "Juden in Buttenhausen"
|