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Händler in Buttenhausen
Händler in Buttenhausen

1828    Das "Gesetz in Betreff der öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen" regelt erstmals umfassend den Status der Juden in Württemberg. Ziel ist deren Integration in den württembergischen Staat. 1828    Das "Gesetz in Betreff der öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen" regelt erstmals umfassend den Status der Juden in Württemberg. Ziel ist deren Integration in den württembergischen Staat.
1848/49    Die Revolution in Deutschland fordert für alle Bürger in der Verfassung verankerte Grundrechte. In Buttenhausen erhalten Juden das aktive Bürgerrecht. Hier leben inzwischen 334 jüdische Einwohner. 1848/49    Die Revolution in Deutschland fordert für alle Bürger in der Verfassung verankerte Grundrechte. In Buttenhausen erhalten Juden das aktive Bürgerrecht. Hier leben inzwischen 334 jüdische Einwohner.
1861    Simon Lindauer errichtet seine "Kramhandlung" in der Ortsmitte, Beginn eines wichtigen Unternehmens in Buttenhausen. 1861    Simon Lindauer errichtet seine "Kramhandlung" in der Ortsmitte, Beginn eines wichtigen Unternehmens in Buttenhausen.
1862    Bau der christlich-jüdischen Volksschule. 1862    Bau der christlich-jüdischen Volksschule.
 

Handel und Gewerbe

Die Ansiedlung von Juden in den ritterschaftlichen Orten hatte vorwiegend wirtschaftliche Gründe. Auch Buttenhausen war hier keine Ausnahme. Von den jüdischen Bewohnern versprach man sich eine Hebung des Gewerbes und zusätzliche Einnahmen durch den Judenschutz. Der Großteil der Juden auf dem Land lebte vom Kleinhandel und Hausieren. Diese Spezialisierung rührte daher, dass den Juden ursprünglich sowohl das zünftische Handwerk als auch die Landwirtschaft verwehrt waren. Der Besuch von Märkten und Messen nötigte sie zu weiten Reisen, die sie häufig über Monate von der Heimat fernhielten. Haupthandelsgebiet der Buttenhausener Juden war Süddeutschland, neben Württemberg vor allem Bayern und Österreich. Die Palette der Waren umfasste überwiegend Stoffe, Kurzwaren, Leder und Felle. Für den lokalen Markt wurde der Viehhandel wichtig.

Neue Gesetze

Mit den Emanzipationsgesetzen zu Beginn des 19. Jahrhunderts versuchte der württembergische Staat, die gewachsene Wirtschaftsweise der Juden zu unterbinden. Hausier- und Trödelhandel, auch bestimmte ländliche Kreditformen wurden als "Schacherhandel" mit harten Restriktionen belegt. Trotzdem war noch 1832 der Großteil der Buttenhausener Juden als "Schacherjuden" qualifiziert. Andere Einkommenschancen, etwa in Handwerk und Landwirtschaft, waren denn auch kaum vorhanden.

Nach 1860 wandelte sich die traditionelle Wirtschaftsweise merklich. Der verstärkte Zug in die Stadt verminderte den Anteil der jüdischen Bevölkerung in Buttenhausen. Die fahrenden Hausierhändler wurden zunehmend von ortsfesten Ladenbesitzern abgelöst. Der Vieh- und Pferdehandel aber behielt seine wichtige Stellung für die Juden in Buttenhausen. Die Viehhändler waren das Bindeglied zwischen den Bauern des Umlandes und den größeren Märkten. In Buttenhausen selbst entwickelte sich sogar - eine Besonderheit für ein Dorf - ein eigener Markt. Die größte Bedeutung erlangte die Pferdehandlung der Gebrüder Löwenthal, die sich mit der Firma Thannhauser während der 1920er Jahre zur "Vereinigten Pferdehandlung Buttenhausen" zusammenschloss. Sie bezog Pferde aus dem Rheinland und Bayern und war auf den wichtigen süddeutschen Märkten vertreten.

Die Lindauers

Die Entwicklung einer erfolgreichen Unternehmerfamilie Buttenhausens zeigt die Geschichte der Firma Lindauer. Am Beginn stand Simon Lindauer mit einem Geschäft für Bandwaren. Sein Sohn Salomon (1833-1905) gründete 1861 eine "Kramhandlung", die Buttenhausen mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgte. Der Übergang vom Handel zur Fabrikation erfolgte nach der Jahrhundertwende. Während ein Teil der Söhne Salomons wegzog, gründeten die Brüder Karl, Max und Moritz Lindauer 1910 eine Zigarrenfabrik in Buttenhausen. 1912 ersetzte bereits ein Neubau am Kirchberg das alte Fabrikgebäude. Diese Produktion bestand bis 1927. Die Unternehmerfamilie übernahm auch soziale und kulturelle Aufgaben. Die Gründung eines Krankenschwesternvereins ging auf ihre Initiative zurück. Das gute Verhältnis der liberalen Familie zur christlichen Gemeinde zeigt sich in der Stiftung einer neuen Turmuhr für die evangelische Kirche in Buttenhausen durch Adolf Lindauer. Während der NS-Zeit musste sich die Familie nach England und den USA in Sicherheit bringen. Elisabeth und Moritz Lindauer jedoch, gelang es nicht mehr, außer Landes zu kommen. Vor ihrer Deportation in ein Konzentrationslager nahmen sie sich in Buttenhausen das Leben.

Handel und Gewerbe

Die Wirtschaftsweise unterschied Juden und Christen. Während die Christen Handwerker und Bauern waren, besuchten die Juden aus Buttenhausen als Händler und Hausierer Märkte und Messen in ganz Süddeutschland und in den österreichischen Ländern. Unternehmerfamilien trugen schließlich zum Wohlstand im Dorf bei.