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Handel und Gewerbe
Die Ansiedlung von Juden in den ritterschaftlichen Orten hatte
vorwiegend wirtschaftliche Gründe. Auch Buttenhausen war hier keine
Ausnahme. Von den jüdischen Bewohnern versprach man sich eine Hebung
des Gewerbes und zusätzliche Einnahmen durch den Judenschutz. Der
Großteil der Juden auf dem Land lebte vom Kleinhandel und Hausieren.
Diese Spezialisierung rührte daher, dass den Juden ursprünglich sowohl
das zünftische Handwerk als auch die Landwirtschaft verwehrt waren. Der
Besuch von Märkten und Messen nötigte sie zu weiten Reisen, die sie
häufig über Monate von der Heimat fernhielten. Haupthandelsgebiet der
Buttenhausener Juden war Süddeutschland, neben Württemberg vor allem
Bayern und Österreich. Die Palette der Waren umfasste überwiegend
Stoffe, Kurzwaren, Leder und Felle. Für den lokalen Markt wurde der
Viehhandel wichtig.
Neue Gesetze
Mit den Emanzipationsgesetzen zu Beginn des 19. Jahrhunderts
versuchte der württembergische Staat, die gewachsene Wirtschaftsweise
der Juden zu unterbinden. Hausier- und Trödelhandel, auch bestimmte
ländliche Kreditformen wurden als "Schacherhandel" mit harten
Restriktionen belegt. Trotzdem war noch 1832 der Großteil der
Buttenhausener Juden als "Schacherjuden" qualifiziert. Andere
Einkommenschancen, etwa in Handwerk und Landwirtschaft, waren denn auch
kaum vorhanden.
Nach 1860 wandelte sich die traditionelle Wirtschaftsweise merklich.
Der verstärkte Zug in die Stadt verminderte den Anteil der jüdischen
Bevölkerung in Buttenhausen. Die fahrenden Hausierhändler wurden
zunehmend von ortsfesten Ladenbesitzern abgelöst. Der Vieh- und
Pferdehandel aber behielt seine wichtige Stellung für die Juden in
Buttenhausen. Die Viehhändler waren das Bindeglied zwischen den Bauern
des Umlandes und den größeren Märkten. In Buttenhausen selbst
entwickelte sich sogar - eine Besonderheit für ein Dorf - ein eigener
Markt. Die größte Bedeutung erlangte die Pferdehandlung der Gebrüder
Löwenthal, die sich mit der Firma Thannhauser während der 1920er Jahre
zur "Vereinigten Pferdehandlung Buttenhausen" zusammenschloss.
Sie bezog Pferde aus dem Rheinland und Bayern und war auf den wichtigen
süddeutschen Märkten vertreten.
Die Lindauers
Die Entwicklung einer erfolgreichen Unternehmerfamilie Buttenhausens
zeigt die Geschichte der Firma Lindauer. Am Beginn stand Simon Lindauer
mit einem Geschäft für Bandwaren. Sein Sohn Salomon (1833-1905) gründete 1861 eine
"Kramhandlung", die Buttenhausen mit den Dingen des täglichen
Bedarfs versorgte. Der Übergang vom Handel zur Fabrikation erfolgte
nach der Jahrhundertwende. Während ein Teil der Söhne Salomons wegzog,
gründeten die Brüder Karl, Max und Moritz Lindauer 1910 eine
Zigarrenfabrik in Buttenhausen. 1912 ersetzte bereits ein Neubau am
Kirchberg das alte Fabrikgebäude. Diese Produktion bestand bis 1927.
Die Unternehmerfamilie übernahm auch soziale und kulturelle Aufgaben.
Die Gründung eines Krankenschwesternvereins ging auf ihre Initiative
zurück. Das gute Verhältnis der liberalen Familie zur christlichen
Gemeinde zeigt sich in der Stiftung einer neuen Turmuhr für die
evangelische Kirche in Buttenhausen durch Adolf Lindauer. Während der
NS-Zeit musste sich die Familie nach England und den USA in Sicherheit
bringen. Elisabeth und Moritz Lindauer jedoch, gelang es nicht mehr, außer Landes zu kommen. Vor ihrer Deportation in ein
Konzentrationslager nahmen sie sich in Buttenhausen das Leben.
Handel und Gewerbe
Die Wirtschaftsweise unterschied Juden und Christen. Während die
Christen Handwerker und Bauern waren, besuchten die Juden aus
Buttenhausen als Händler und Hausierer Märkte und Messen in ganz
Süddeutschland und in den österreichischen Ländern.
Unternehmerfamilien trugen schließlich zum Wohlstand im Dorf bei.
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